Sonntag, 18. Oktober 2015

Winterjacken-Sewalong - Erster Zwischenstand und: Es geht dem Kragen an den Kragen

Willkommen beim zweiten Zwischenstand des Winterjacken-Sewalongs!

Wie weit seid ihr inzwischen gekommen? Jetzt ist Gelegenheit, sich über die Tücken des ausgesuchten Schnitts auszutauschen und Hilfe bei kniffeligen Stellen zu finden. Ich (Lucy) habe schon mal vorgenäht, um nicht als Moderatorin nur mit einem Haufen zugeschnittener Stoffteile dazustehen.



Da ich mir ein relativ einfaches Modell ausgesucht habe, bin ich nach einem Fehlstart gut vorangekommen. Beim Nähkränzchen hatte ich zu viel gequatscht, Einlage falsch zugeschnitten und aufgebügelt und zwei rechte Vorderteilbelege fabriziert anstatt eines rechten und eines linken - es war aber noch genug Stoff da, um einen Beleg neu zuzuschneiden, Glück gehabt, die Einlage ging nämlich nicht ohne Spuren wieder ab.

Das Nähen des Kragens habe ich für euch mitfotografiert, es ist die Methode, die ich mittlerweile immer verwende, weil ich mit dieser Reihenfolge gut zurechtkomme. Ich habe mich erst mit Reverskragen wirklich schwergetan, weil die Anleitungen einfach zu knapp gehalten sind, als dass man wirklich wüsste, worauf man achten muss. Oft zuppelte es irgendwo und die Kragenecken zogen sich nach oben.

Natürlich gibt es viele andere Möglichkeiten, in der September-Ausgabe der Fashion Style wird z. B. eine andere Reihenfolge mit Bildern gezeigt. Eure eigenen Tipps und Kniffe könnt ihr gerne in den Kommentaren ergänzen! Die Linkliste findet ihr ganz unten.

Anatomie eines Reverskragens 

 

Bevor es richtig losgeht, ist es vielleicht sinnvoll, sich erst mal über die Einzelteile eines Reverskragens klar zu werden, ich habe daher einen älteren Mantel von mir von innen fotografiert und die Schnittteile nachgezeichnet:


Die Form des gesamten Kragenbereichs, also von Vorderteilbeleg und dem eigentlichen Kragen, wird in der Herrenschneiderei auch "Fasson" genannt - achtet mal auf der Straße drauf, oder auch bei Anzugjacketts, da gibt es ganz verschiedene Formen: Die Spitze des Belegs kann nach oben oder nach unten zeigen (steigendes bzw. fallendes Revers), die sichtbare Verbindungsnaht zwischen Beleg und Kragen (die so genannte Spiegelnaht) kann einen ganz unterschiedlichen Verlauf nehmen, der Winkel, der sich an der Außenkante zwischen Kragen und Vorderteil bildet (der Crochet oder Fassonspiegel) kann spitzer oder stumpfer sein.

Reverskragen nähen 

 

1.  Vor dem Nähen werden der Vorderteilbeleg, der Rückenteilbeleg sowie jeweils ein Kragen und ein Kragensteg mit Einlage verstärkt. Ob es besser ist, den Unterkragen oder den Oberkragen bzw. den äußeren oder den inneren Kragensteg zu verstärken, darüber könnte man endlos diskutieren. Ich verstärke den Unterkragen und den äußeren Steg, denn dann lässt sich meiner Meinung nach der Stoff des Oberkragens leichter so hinbügeln, dass man an den Kragenkanten die Naht nicht mehr sieht, wenn man auf den Kragen guckt. Außerdem zeichne ich die Nahtlinien der Kragenteile und die Passzeichen noch einmal ganz genau auf die Einlageseite auf. Wollstoff kann man ja normalerweise nicht so gut und präzise markieren, daher freue ich mich, wenn ich wenigstens auf einer Seite ganz genau weiß, wo ich entlangnähen muss.    

2.  Bei meinem Mantel besteht der Kragen nur aus einem Teil - der Kragensteg ist angeschnitten, daher entfällt bei mir der erste Nähschritt: Kragen und Kragensteg verbinden. Ihr näht jeweils das Kragenteil mit Einlage und das Stegteil mit Einlage und die beiden Teile ohne Einlage rechts auf rechts zusammen. Vorher gut stecken und dann ganz langsam - da die Nahtlinien, die zusammentreffen, unterschiedlich gebogen sind, ist das Steppen etwas kniffelig. Die Nahtzugabe schneidet ihr auf 5 mm zurück und bügelt sie auseinander. Probiert das Flachbügeln erst mal, ohne die Nahtzugaben quer zur Naht einzuschneiden - bei Wollstoff geht das, und der Kragensteg bleibt so stabiler. Meistens steppt man die Teile auch noch rechts und links der Verbindungsnaht ab - schaut nach, was die Anleitung dazu sagt.


3.  Als nächstes werden Oberkragen und Unterkragen verstürzt. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Oberkragen etwas mehr Länge und Weite braucht als der Unterkragen, das kann man sich leicht veranschaulichen, wenn man sich die zwei Kragenteile über die Hand hängt: Das obere Teil muss wegen der Biegung sozusagen einen längeren "Weg" zurücklegen - und bei dem umgebogenen Kragen am Mantel ist das später dann genauso. Richtig ausgeklügelte Schnittmuster berücksichtigen das sogar schon und haben unterschiedlich große Schnittteile für Ober- und Unterkragen.

So sieht das "blasige" Feststecken des Oberkragens bei mir aus
Bei den meisten Schnitten wird für beide Kragenteile das gleiche Schnittteil verwendet,  und daher muss man den Oberkragen etwas "blasig" rechts auf rechts auf den Unterkragen stecken. Versucht, den Oberkragen beim Stecken etwas zusammenzustauchen. Ihr steppt dann mit der Einlageseite nach oben entlang der aufgezeichneten Nahtlinie, so dass der Transporteur im besten Fall die unten liegende unverstärkte Seite etwas einhält. Und, ganz wichtig: Näht nur genau vom Anfang der Nahtlinie bis zum Ende, also beginnt und endet nicht wie sonst auf der Nahtzugabe!

Gesteppt, Nahtzugaben zurückgeschnitten
Gewendet und gebügelt, von unten - die Naht liegt auf der Unterseite des Kragens
Wenn ihr jetzt die Nahtzugaben zurückschneidet, an den Kragenspitzen quer abschneidet, an Rundungen quer zur Naht vorsichtig einschneidet und  den Kragen wendet und bügelt, sollte sich der Oberkragen ganz leicht so hinschieben lassen, dass die Naht einen Tick auf der Unterseite des Kragens liegt. Haltet den Kragen so, wie er später getragen wird, also umgeklappt und rund gebogen, und probiert, ob er sich schön legt. Bei Wollstoff kann man in diesem Stadium mit Bügeln noch eine Menge erreichen, wenn sich z. B. die Kragenecken nach oben ziehen.  

4.  Jetzt müssen die Belegteile zusammengefügt werden. Ich überlege jedes Mal, wie herum der Rückenteilbeleg an die Vorderteilbelege gehört, und bin jetzt darauf gekommen, dass ich mir die Teile am besten so umhänge, wie sie später im Mantel auch zu liegen kommen: Die rechte Stoffseite zu mir, den Rückenteilbeleg um den Hals und die Vorderteilbelege im Anschluss, so dass ich die Ecke zum Revers umklappen kann, dann mache ich das nicht jedes Mal falsch. Näht die Belegteile an den schmalen Seiten zusammen - in diesem Fall auch über die Nahtzugaben drüber - und bügelt die Naht auseinander.

Vorderteilbeleg rechts auf rechts ans Vorderteil nähen - aber nur bis zum Passzeichen nähen
5.  Die Belege werden jetzt rechts auf rechts auf die Mantelvorderteile gesteckt, jeweils vom Querzeichen, wo der Kragen endet, bis nach unten zum Saum. Da der Beleg beim fertigen Revers umgeklappt getragen wird, braucht er auch wieder etwas mehr Weite und muss "blasig" festgesteckt werden. Ihr näht die Belege dann auch jeweils vom Querzeichen (wo ihr die Naht verriegelt) bis zum Saum fest. Schneidet die Nahtzugaben stufig zurück - Einschneiden ist meistens nicht nötig, da die Strecke ziemlich gerade ist - und bügelt die Nahtzugaben erst von der linken Seite auseinander, stülpt dann den Beleg komplett nach innen um und bügelt die vorderen Kanten. Ich hefte oft auch einmal mit der Hand an der Vorderkante entlag, damit mir das mühsam Gebügelte nicht beim weiteren Nähen immer wieder auseinander fällt.


6.  Nun wird der Kragen in den Halsausschnitt eingesetzt. Steckt den Unterkragen (rechte Seite des Unterkragens liegt auf der rechten Seite des Mantels) im Halsausschnitt fest, die Passzeichen am Kragen treffen auf die Schulternähte, und an den Mantelvorderteilen reicht der Kragen genau bis zu dem Passzeichen, bis zu dem ihr eben den Beleg festgenäht habt. Näht den Kragen ein, auch hier wieder genau von Nahtende bis Nahtanfang, und bügelt die zurückgeschnittenen Nahtzugaben des Ansatznaht auseinander.


7.  Zuletzt ist nur noch der Oberkragen locker, und da die Nahtzugaben des Kragens nicht mit festgenäht wurden, ist es gar nicht so schwer, den Oberkragen an den Halsbeleg und den Vorderteilbeleg zu stecken und zu nähen. Achtet auch wieder darauf, dass der Oberkragen mehr Länge braucht, um sich umzulegen. Steckt erstmal, klappt die Belege nach innen und formt den Kragen so, wie er dann später getragen wird: rund um den Hals und umgeschlagen. Wenn das noch nicht sitzt, lasst noch etwas Nahtzugabe raus, steckt nochmal und probiert es wieder. Volle 100 Punkte erhaltet ihr, wenn ihr jetzt daran denkt, einen Aufhänger in dieser Naht mitzufassen!

Es ist jetzt ein bißchen kniffelig, die Ansatznaht ordentlich auszubügeln, weil man an die Stelle so schlecht dran kommt - aber das schafft ihr! Zuletzt näht ihr die Nahtzugaben von Rückenteil und Rückenteilbeleg von innen ein Stück weit aufeinander, um das Ganze zu fixieren, und damit habt ihr den Reverskragen auch schon bezwungen!

Beim nächsten Treffen am 1. 11. wird es um Paspelknopflöcher gehen, und falls ihr mit dem Füttern kämpft, könnt ihr euch auf das Treffen am 15. 11. und ein Futtertutorial freuen.

Jetzt aber die Linkliste für eure Winterjacken- Fortschritte: 

 

Kommentare:

  1. Guten Morgen Lucy,
    Danke für das super Tutorial des Reverskragen, alles auch bebildert !!! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg für Deinen Mantel, du bist schon weit voran . Liebe Grüße von Carmen

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  2. Guten Morgen Lucy,
    selten habe ich so ein anschauliches und gut nachzuvollziehendes Tutorial gesehen, vielen Dank für deine Mühe.
    Da ich schon ewig keinen Reverskragen mehr genäht habe, aber an meinem Mantel weiternähen wollte, bin ich nach den Mia Führerer Videos für Blazernähen vorgegangen.
    Deine Mantel sieht schon mal sehr gut aus; mir gefällt der schnitt auch und die Farbe wäre auch ganz meins.
    LG von Susanne

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  3. Super hast Du die Anleitung geschrieben und veranschaulicht! Ich näh ja komplett ohne Kragen und Kapuze, aber wenn ich mich mal an einen Reverskragen rantrauen sollte, weiß ich, wo ich nachschauen kann.
    LG Judy

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  4. Liebe Lucy,

    vielen Dank für diese tolle Anleitung. Auch wenn meine aktuelle Jacke etwas weniger anspruchsvoll ist - das kann ich sicher irgendwann noch gebrauchen.

    LG
    Poldi

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  5. Die Farbe deines Mantels ist so schön und du bist ja schon fast fertig. Danke auch für das ausführliche Tutorial, genau und sehr verständlich, da komme ich sehr gern darauf zurück wenn ich mal einen Reverskragen nähen möchte.
    Liebe Grüße
    Sylvia

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  6. Liebe Lucy, vielen Dank für dein Tutorial. Bei meinem jetzigen Projekt muss ich nicht darauf zurückgreifen, aber es werden sicher weitere folgen und dann ist es schön, wenn ich einfach mal nachlesen kann. Dein Mantelstoff gefällt mir sehr gut: die Farbe ist wirklich toll. Das wird sicher ein sehr sehr schöner Mantel. LG Carola

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  7. ♥-lichen Dank für das Tutorial, ich konnte es auch bereits anwenden. Vor allem das mit der Weite im Oberkragen war für mich sehr verständlich und gut Umsetzbar.

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