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Sonntag, 19. Juni 2016

Let's Rock, der Sommer-Rock-Sew-Along: Details, Details, Details


Hallo und herzlich willkommen zum dritten Treffen unseres Sommer-Rock-Sew-Alongs. Wir freuen uns sehr, dass die Idee, einen Sommerrock zu nähen so gut bei euch ankommt und sind gespannt auf eure Fortschritte!

Das heutige Thema sind Details. Ich, Meike, finde das ja gerade das Tolle am Nähen, dass ich es in der Hand habe, Details an Kleidungsstücke beliebig anzufügen oder wegzulassen. Ich denke da an vergessene Mantelaufhänger oder Ratz-Fatz-Röcke ohne Taschen. Die viel interessanteren Details sind aber diejenigen, die genau zu unserem Leben und unseren Bedürfnissen passen und die wir auch an Schnittmuster anfügen können, obwohl sie dafür gar nicht vorgesehen sind. Das prägnanteste Beispiel sind für mich: Taschen.

Bei Taschen gibt es die eine und die andere Fraktion: die einen sagen "kein Kleidungsstück ohne Taschen, wohin sonst mit Taschentuch, Schlüssel und Telefon" und die anderen sagen "Taschen? Wenn dann ohne Funktion, denn das trägt sonst viel zu viel auf" und vielleicht gibt es auch noch die dritte Fraktion, die das ganz einfach nach Lust und Laune handhabt. Ganz viel zum Thema "Taschen an Kleidungsstücken haben wir schon 2012 im Taschen-Monat-September zusammengetragen.

Rocktaschen können ein Designmerkmal sein und deswegen in ganz vielen Formen vorliegen. Die typischsten habe ich jetzt mal für euch zusammengestellt:


Nahttaschen
Diese Taschen werden in den Seitennähten eingefügt. Sie haben eine runde, abfallende Form, die zur Größe der Hand passt und immer nach unten zeigt, damit nichts herauskullert. Solche Taschen kennt eigentlich jede. Sie sind einfach zu nähen und wenn ihr einem Schnitt solche Taschen zufügen wollt, könnt ihr das Taschenschnittmuster problemlos von einem anderen Schnitt nehmen. Und wenn frau den Trick beherzigt, die Nahtzugabe auf den Taschenbeutel zu nähen, dann quillt auch nach ordentlichem Bügeln kein Wulst aus der Seitennaht.


Aufgesetzte Taschen
Aufgesetzte Taschen sind nichts anderes als ein verstürztes Stoffstück, das U-förmig angenäht wird, damit ein Beutel mit Eingriff ensteht. Verstürzen heißt nichts anderes, als dass zwei Stoffe (das, was als Tasche zu sehen sein soll und ein Taschenfutter) rechts auf rechts bis auf eine kleine Wendeöffnung zusammen genäht werden. Solche aufgesetzten Taschen sind oft rund oder eckig mit einer zurückgeklappten Ecke, so wie bei Sybilles Tutorial von letzter Woche.


Taschen mit Eingriff von oben
Diese Taschen kennt ihr z.B. von Jeans. Sie haben einen Eingriff von oben und und es gibt für den Taschenbeutel nur ein Schnittteil, das gleichzeitig ein Teil des Bundes ist bzw. oben am Bund angenäht wird. Manchmal werden solche Taschen mit kontrastierendem Stoff genäht, so dass überhalb des Eingriffs und in der Tasche ein anderer Stoff ist, als der Rest des Rockes. Die Tascheneingriffe kann frau zur Stabilisierung und/oder Verzierung mit Schrägband einfassen.


Taschen im Bahnenrock
Bahnenröcke habe ich viele (z.B. dieser Rock) und alle haben diese Taschenvariante, die mir mal eine Freundin zeigte. Um solche Taschen zu konstruieren, überlegt ihr euch, in welcher Höhe der Tascheneingriff sein soll und teilt das Schnitteil horizontal an dieser Stelle. Dann überlegt ihr euch, wie tief die Taschen sein soll und schneidet ein oberes neues Bahnenteil zu, das die Fläche oberhalb der Tasche sowie den Taschenbeutel bildet. Beide Teilbahnen werden an den Seiten verbunden, wenn die Bahnen aneinandergefügt werden und am unteren Ende der Tasche mit einer Naht geschlossen. Den Eingriff könnt ihr umklappen und feststecken oder mit Schrägband versäubern.

Das wäre es von meiner Seite aus zum Thema Taschen. Ich übergebe an Lucy, die sich mit Säumen beschäftigt.

Wie oft habe ich, Lucy, beim Nähen eines Rockes oder Kleides schon vorfreudig und voreilig gedacht: "Nur noch der Saum, dann ist es fertig!" Fast genauso oft, wie ich den Saum dann zwei- oder dreimal nähen musste, weil der Stoff seltsam abstand oder beulte, meistens weil die gewählte Saumart nicht richtig zum Stoff und zum Schnitt passte. Ich habe heute daher ein paar Beispiele für verschiedene Saumarten zusammengestellt.

Breiter, gerader Saum, zweimal eingeschlagen

Saum zweimal eingeschlagen, Blindstich - Klick aufs Foto zeigt es größer an
Wenn die Saumlinie gerade ist, kann der Saum gut 4 cm breit sein, durch den breiten Umschlag fällt der Rock schön. Bei dünnerem Stoff, so wie hier bei bedruckter Viskose, aber auch bei dünnen, nicht steifen Wollstoffen, bügelt man erst den Saumumschlag um, dann kann man die Saumzugabe oben auch noch einmal knapp einschlagen (etwa 1 cm) und den Saum entweder am Einschlag entlang feststeppen oder fast unsichtbar mit Blindstich per Hand annähen.

Beim Blindstich erfasst man auf der Rockseite immer nur einen Gewebefaden mit der Nadel, während man in die Saumseite großzügiger einstechen und den Faden ein Stück in der umgeklappten Kante mitlaufen lassen kann. Man sticht also quasi im Zickzack zwischen Saumumschlag und Rock hin- und her. Ein kurzes Video des Blindstichs findet ihr in diesem Beitrag bei Ella Mara. Es ist völlig in Ordnung, wenn man die Stiche auf der Außenseite des Rockes als eine Reihe kleiner Punkte sehen kann - solange sie gleichmäßig sind und man den Faden nicht zu stark anzieht, sieht das ordentllich aus. 

Breiter, gerader Saum, einmal eingeschlagen

Versäuberter Saum, Blindstich - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Sobald der Stoff etwas dicker und steifer ist und sich womöglich noch schlecht bügeln lässt, ist es ungünstig, den Stoff zweimal umzuschlagen - der Saum wird wulstig und zeichnet sich gerne mal auf der Außenseite ab. Dann versäubert man am besten die Kante des Saumumschlags mit einer beliebigen Methode und näht dann knapp neben der Versäuberung den Blindstich. Ella näht im verlinkten Video oben ebenfalls einen einfach umgeschlagenen Saum an.

Gebogener Saum mit Schrägband oder Spitze, außen unsichtbar

Schmaler Saum mit Spitze oder Schrägband - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Sobald die Saumlinie gebogen ist, kommt man mit breiten Saumumschlägen in die Bredouille: Der Umschlag wird zur Schnittkante hin breiter, der Rock nach oben enger - das resultiert in einem Stoffüberschuss, der sich beim Annähen nicht wirklich elegant unterbringen lässt. Gebogene Säume sollten deshalb schmaler sein,  etwa 1,5 cm Einschlag reicht.

Besonders einfach und schön ist es, den Saum mit Spitze oder Schrägband zu verarbeiten: Schmale Spitzenborte mit Geradstich auf die rechte Seite des Rocksaums steppen, Spitze so nach innen klappen, dass sie von außen nicht mehr zu sehen ist, und mit Blindstich von Hand annähen. Oder schmales, vorgefaltetes Schrägband rechts auf rechts in der Saumlinie ansteppen, nach innen klappen und von Hand gegensäumen.

Mit Schrägband eingefasster Saum

Saum mit Schrägband eingefasst - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Einen zusätzlichen Farbakzent kann man mit einem mit Schrägband eingefassten Saum setzen -  ich habe natürlich nur ein Beispielbild schwarz mit schwarz. Entweder vorgefaltetes Schrägband rechts auf rechts auf den Rock steppen, um die Kante legen und die zweite Tour innen mit der Hand unsichtbar festnähen, oder zuerst auf der linken Seite ansteppen, nach außen umklappen und die zweite Runde sichtbar von rechts feststeppen.

Spitzensaum


Futterröcke mit Spitzenkante - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Spitzenkante von links - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Eine Spitzenkante am Rocksaum (ich mache das ab und zu bei Futterröcken) kann man so annähen: Spitzenborte knapp an der Bortenkante entlang auf der rechten Stoffseite mit Geradstich festeppen, die Nahtzugabe des Stoffes auf der linken Seite nach oben (von der Borte weg) bügeln und die Bortenansatzkante von rechts noch einmal mit einem kleinen Zickzackstich entlangkanteln. Überschüssigen Stoff auf der Rückseite bis zum Zickzack wegschneiden.

Gepfuschter Saum

Hingepfuschter Saum - Klick aufs Bild zeigt es größer an
Manchmal hilft aber gar nichts - wenn sich, wie hier, ein dicker, störrischer Stoff nicht bügeln lässt und alles regelgerecht Genähte furchtbar aussieht, dann darf man auch einfach mal den Umschlag mit Zickzack versäubern und die Saumkante knappkantig absteppen und es gut sein lassen!

Und wie sieht es bei euch aus? Details wie im Schnittmuster vorgesehen oder doch etwas ganz Eigenes? Wie sehen eure Nähfortschritte aus? Wir sehen uns am 26.6. beim Finale!



Kommentare:

  1. Ich bin eine Saumpfuscherin, der Sonntag ist im Eimer, ich gehe jetzt Kuchen essen. ; ))
    Vielen Dank euch Beiden, für die vielfältigen Ideen, einen Rock nach eigenen Vorstellungen herzustellen.
    Liebe Grüße
    Sylvia

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    1. Gerne! Ich finde sowieso, dass viel zu selten Menschen vor mir knien und nur diese können wirklich die Qualität meiner Säume beurteilen....

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  2. Heute habt ihr mich inspiriert mit den Taschen, ich werde noch Taschen in meinen Rock einfügen. Auch Danke für die ausführlichen Rocksaumvarianten.
    Liebe Grüße von Carmen

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    1. Sehr schön, so soll das sein! Gutes Gelingen!

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  3. Danke für die ausführlichen Beschreibungen. Habe immer Angst, dass Taschen zu sehr auftragen. Wenn ich dann aber ein Teil ohne Taschen anhabe, nervt es mich.
    Bei meinem geplanten Bahnenrock bin ich froh über die Beschreibung für den Saum. Die kann ich sicherlich gut gebrauchen. (Wenn ich dann mal soweit bin.)
    LG Ute

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    1. Ute, ich glaube immer "es kommt darauf an", also was für ein Material und was für ein Schnitt. Taschen können auftragen, müssen aber nicht und nicht in jeder Tasche muss ständig eine Tupperdose drin rumgetragen werden. Außerdem kommt es darauf an, ob wir wirklich jederzeit in Kategorien wie "auftragen", "vorteilhaft" oder "kaschieren denken wollen. Wir haben ja die Wahl und können als Näherinnen jederzeit überlegen, ob wir es zur Abwechslung nicht auch mal "funktional", "schick" oder "originell" haben wollen. Toi, toi, toi für den Bahnenrock!

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  4. Vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag. Taschen sind für mich sehr wichtig und bei den Saumnäherinnen gehöre ich wohl dann eindeutig zu den Pfuschern :-(
    LG Mirella

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    1. "Gepfuscht" mit Augenzwinkern! ;-) Das war eigentlich als Ermutigung gedacht, dass man nicht immer und jedes Mal einen Riesenaufwand betreiben muss und "einfach umnähen" manchmal das beste ist.

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